Was ist Liebe im Kontext der Führung von Unternehmen?

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Ich würde gerne folgende Definition des Begriffs der „Liebe“ im Kontext der Unternehmensführung vorschlagen:
Liebe drückt sich durch eine Grundhaltung des Wohlwollens, der Achtsamkeit, des Respekts, der Fürsorge und der Akzeptanz dessen „was ist“ und damit allen anderen gegenüber aus. Diese Liebe ist kein Gefühl, sondern resultiert letztlich aus einer tiefen Einsicht der Verbundenheit und Einheit mit anderen.“ Können Sie sich auf diese Definition des Begriffs Liebe im Kontext der Unter­nehmens­führung einlassen?“

„Ja, natürlich kann ich mich darauf einlassen, ich finde es sogar sehr gut, dass Sie dazu eine Untersuchung durchführen. Ich denke nämlich, dass in der Unternehmensführung Angst vor dem Begriff Liebe herrscht. Liebe macht sehr emotional, ist unberechenbar und macht instabil. Dabei ist Liebe aber natürlich ganz, ganz wichtig. Geht man nicht mit ganz viel Liebe an die Dinge heran, wird man sich entweder verbrennen, sich sozusagen selbst im Sinne eines Burnouts verheizen, also verpuffen oder man wird zu kalt und zielt am Erfolg vorbei.“

„Ich kann mich auf jeden Fall auch auf diese Definition der Liebe einlassen. Durch meine Erfahrung als selbständiger systemischer Coach, aber auch durch meine Erfahrungen in verschiedenen Unternehmen, in denen ich als Angestellte tätig war, fällt auf, dass die Menschen die Liebe zu sich selbst verloren haben.“

„Ich kann mich dieser Definition nicht so schnell wie meine Vorredner anschließen, im Gegenteil. Mit dem Begriff „Liebe“ in diesem beruflichen Kontext tue ich mich sehr schwer. Grundsätzlich verbinde ich Liebe mit einer bedingungslosen Beziehung zwischen Menschen, die eine irrationale Ebene des Mit­einanders entwickelt haben. Wenn mir nun allerdings erklärt wird, dass der Begriff Liebe mit Fürsorge, Respekt, Wohlwollen etc. gleichzusetzen ist, dann schließe ich mich meiner Vorrednerin gerne an. Ansonsten aber, also ohne, dass oben genannte Begriffe erläuternd verwendet werden, tue ich mich mit Liebe im beruflichen Zusammenhang sehr schwer, da dieses Wort für mich eben schon mit anderen Begrifflichkeiten in einem anderen Kontext besetzt ist.“

„Das geht mir ähnlich. Mein Verständnis von Liebe war bislang das Traditionelle, also Verliebtheit, Zuneigung und Gefühle für die eigenen Kinder. Dies ist sicherlich im kulturellen Kontext zu sehen, so wie man Liebe in Deutschland generell betrachtet. Wird Liebe nun aber mit Achtsamkeit, Wohlwollen, Verbundenheit und vor allem auch mit gegenseitigem Respekt definiert, dann kann ich mir das durchaus gut vorstellen. Als ich jedoch zum ersten Mal den Titel „Liebe in der Unter­nehmensführung“ gelesen hatte, bekam ich die Idee, dass es um Beziehungen innerhalb des Unter­nehmens gehen würde, die über das Zusammen-Arbeiten „hinaus“ gehen, also Anbändeleien und Liebeleien im Unternehmen.“

 „Ich musste auch erst 2x nachfragen nachdem mir die Thematik des Interviews bekannt gemacht worden war und auch nun im Interview genau hinhören. Was ich bei dieser Definition hier aber besonders gut finde, ist das Miteinander und die Achtsamkeit. Dies findet sich auch in Sozial Colaborations, Tendenzen im Unternehmen, die darauf abzielen, weniger in Hierarchien, sondern mehr im kooperativen Stil miteinander zu arbeiten. Und das geht nur mit einem wertschätzenden, respektvollen Miteinander, bei dem man nicht wieder aus Gründen des Profits oder der Macht oder des Materiellen heraus agiert.“

„Auch für mich ist der Begriff Liebe in diesem Zusammenhang erstmal sehr ungewöhnlich. Wenn ich allerdings die Definition, die Sie verwenden, nehme, nämlich Liebe im Sinne von Respekt, Fürsorge und Akzeptanz anderen gegenüber, dann kann ich Liebe sehr wohl im Kontext eines Unternehmens sehen und auch einordnen. Ich hätte hierfür allerdings nicht den Begriff „Liebe“ selbst gebraucht, sondern eher die Begriffe aus Ihrer Definition. Aber ich finde es durchaus legitim, diesen Begriff auch hier anzuwenden und diesen als Gefühl z.B. den eigenen Mitarbeitern gegenüber zu nutzen. Achtsamkeit, Respekt und Fürsorge sind letztlich auch Werte, die ich versuche, meinen Mitarbeitern im Führungsalltag entgegen zu bringen.“

 „Genau, es geht hier um die Begrifflichkeiten Ihrer Definition. Zwar glaube ich, dass diese definitiv ein Teil von ihr, also der Liebe, sind. Im sozialen Kontext allerdings werden diese eher mit Partnerschaft assoziiert. Als Definition für Liebe gefällt mir hin­gegen folgende sehr gut: Sich in einem achtsamen Umgang selbst nahe zu sein. In Unternehmen bzw. im Zusammenhang mit mindfulness leadership kann ich mir diesen achtsamen Umgang total gut vorstellen. Ob ich diesen dann allerdings auch unter dem Begriff „Liebe“ fassen würde, denke ich nicht, ich würde hier einen anderen Begriff als Liebe wählen.

Es kommt ja immer auf die Definition von Liebe an, was man darunter versteht. Und in der Gesellschaft wie ich sie erlebe, wird Liebe wie gesagt immer mit anderen Elementen assoziiert, nämlich in erster Linie mit partnerschaftlichen. Allenfalls wird noch von Liebe – wie eben schon erwähnt – zwischen Kind und Elternteil gesprochen. Bei der Liebe zwischen Freunden aber wird es bereits schwierig. Insofern würde es im Firmenkontext meiner Meinung nach erst recht problematisch sein. Daher fällt es mir schwer, mir vorzustellen, dass man im Arbeitskontext über Liebe spricht.“

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